Roadtrip Mühlenstraße

Christin is on the Road again! Genauer gesagt bin ich auf einem Teil der Mühlenstraße durch unser wunderbares Harzvorland unterwegs. Mühlenstraßen gibt’s in ganz Deutschland und natürlich auch hier. Sie führt von Abbenrode bis nach Baddeckenstedt und auf ihrem Weg liegen alle in diesem Gebiet vorhanden Mühlen. Egal ob Wasser-, Bock- oder Holländerwindmühle – für jeden Mühlenfan ist etwas dabei! Ich hatte mir nur einen Teilabschnitt der Strecke durch das nördliche Harzvorland ausgesucht. Meine Strecke ging von Dettum über Erkerode nach Abbenrode. Gründe dafür waren, dass es zum einen nicht an jeder „Haltestelle“ der Mühlenstraßen auch wirklich Mühlen zusehen gibt und zum anderen war dies einfach eine schöne Strecke. – Also ab auf die Road!

Mein erster Stopp war die Bockwindmühle in Dettum, wo ich zur Besichtigung der Mühle mit Herrn Harrendorf verabredet war. Mein Timing war perfekt: Ich kam zeitgleich mit Herrn Harrendorf vor dem Grundstück, auf dem sich die alte Bockwindmühle befand, an. Da mussten wir beide erst einmal lachen!
Wir gingen zur Mühle und wo er mir erst einmal die Technik und einen Teil der Mühlengeschichte erzählte. Das mit der Technik war für mich ziemlich interessant, denn ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel Ahnung von Mühlen.

Herr Harrendorf, sagte, dass ich mir die Mühle doch einmal genau anschauen sollte, denn wenn man das tut, fällt einem auf, dass die Mühle einen Überhang nach vorne hatte! Bei einem schweren Sturm wurde die Mühle beschädigt und hat seitdem diesen Überhang. Wenn man die Mühle so betrachtet, ähnelt sie ziemlich dem schiefen Turm von Pisa! Sie sieht auf jeden Fall nicht besonders vertrauenerweckend aus. Auch angesichts der Tatsache, dass ich bis jetzt nur vor der Mühle stand und dort gleich hinein musste, war mir das nicht ganz geheuer …
Herr Harrendorf erzählte mir, dass Mühlen kein Fundament haben. Sie stehen einfach frei gehalten durch ihr eigenes Gewicht. Als ich das hörte, konnte ich mir ansatzweise vorstellen, welche Technik hinter oder besser gesagt in der Mühle versteckt ist (dachte ich zumindest).Überraschung! In der Mühle stellte ich fest: Nein ich konnte mir nicht vorstellen was alles dahinter steckt. Denn es gab unheimlich viele Holzbalken die ineinander, über- und untereinander in einem speziellen Stecksystem montiert waren und zusätzlich, aber auch nur an einigen Stellen, mit Holznägeln befestigt waren. Wenn ich damals eine Mühle gebaut hätte, hätte sie sich wahrscheinlich beim ersten kleinen Windstoß in einen großen Haufen Holzbalken verwandelt. Kaum vorstellbar, wie die Leute das damals ohne unsere Hilfsmittelchen von heute geschafft haben, wenn ich mir überlege, dass ich manchmal am Öffnen einer Dose scheitere…
Da ich hier jetzt nicht mit Profi-Mühlen-Fakten umher werfen möchte, sag ich einfach mal Folgendes:

Eine Mühle ist im Grunde ein riesiges, ausgeklügeltes Stecksystem aus Baumstämmen. Das richtig angebracht und miteinander verbunden eines der wahrscheinlich wichtigsten „Maschinen“ der damaligen Zeit darstellte.

Und schon wieder war das Timing perfekt. Genau als wir fertig waren mit der Besichtigung, hatte es wieder angefangen zu regnen! Zum Abschied hab ich dann noch einen kleinen Glücks-Schornsteinfeger geschenkt bekommen, welcher scheinbar auch tatsächlich Glück brachte. Denn kurze Zeit später war der Regenschauer vorüber.

Mein Magen hatte sich inzwischen mal zu Wort gemeldet und verlangte nach etwas Essbaren. Also fuhr ich mit einem kleinen Zwischenstopp beim Bio-Bäcker in Evessen (vielleicht wäre eine Raststätte für meinen Roadtrip authentischer gewesenen) weiter nach Erkerode. Hier kann man die Mühle leider nicht so gut erkennen wie die in Dettum. Doch das war ja eigentlich klar, da es schließlich eine Wasser- und keine Windmühle ist. Wer mehr von der Technik sehen will, kann die Wassermühle auch besichtigen. Allerdings wollte ich mir die Mühle nur so, quasi „von außen“, anschauen. Jedoch, wie gesagt, konnte man nicht all zu viel sehen. Wer wirklich etwas über die Wassermühlentechnik erfahren möchte, der sollte auf jeden Fall einen festen Besichtigungstermin mit dem Wassermühlenverein abmachen. Oder einfach mal am Pfingstmontag, dem deutschen Mühlentag, vorbeischauen.

 

Letzter Halt meines Roadtrips war Abbenrode. Dort war ich mit Herrn Rüster zur Besichtigung verabredet. In Abbenrode gibt es neben der Bockwindmühle auch noch eine motorbetriebene Mühle. Ich hab mir natürlich beide angeschaut.
Die Bockwindmühle in Abbenrode hat ein paar technische Besonderheiten, wie z. B. einen Fahrstuhl oder eine Mischmaschine. Aber auch die motorbetriebene Mühle in der Scheune neben an hat einiges zu bieten: Zum einen kann man die Mühle anschalten um sie in Aktion zu sehen. Zum anderen ist sie ziemlich gut ausgebaut, sodass man die einzelnen Teile der Mühle alle sehr gut erkennen kann.
Viel bedeutsamer als die Mühlen war allerdings der alte Müller Erich Röhl. Herr Rüster erzählte, dass der Müller Röhl am Elmrand bekannt war wie ein bunter Hund und das es unzählige witzige Geschichten und Anekdoten von, mit und über ihm gibt. Ein herzensguter Mensch, welcher immer bemüht ist anderen zu helfen und dabei stets ein Witz auf Lager hat. Ziemlich schade, dass ich Herrn Röhl leider nicht mehr kennenlernen kann, aber durch die vielen Geschichten und die Bekanntheit seinerseits in Abbenrode und Umgebung, kann man sich ein ziemlich gutes Bild vom alten Müller Rühl machen…

Fazit: Wer bisher keine Lust auf Mühlen hatte, sollte sich nicht länger täuschen lassen und sich einfach mal von der tollen Technik oder von ihrer Erscheinung beeindrucken lassen! Auch ich war nicht besonders erwartungsvoll, wurde jedoch eines Besseren belehrt und bin nun schon fast ein „Mühlenfan“. Gerade für kleinere Kinder, die so etwas noch nicht gesehen haben, dürften die Mühlen ziemlich beeindruckend sein. Allerdings bin ich mir sicher, dass auch Oma und Opa an der alten, ihnen wahrscheinlich bekannten, Technik, Gefallen finden. Wer sich dennoch gelangweilt hat, sollte spätestens bei einem leckeren Stück Kuchen im Mühlencafe wieder munter gestimmt werden.

Zur Homepage der Mühlenstraße gehts hier

Blog Christin Laubender

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