Vom Kriegsschlachtfeld bis zu Omas Stübchen

–  Auf den Spuren vergangener Tage in Lutter am Barenberge

Es ist  schlechtes Wetter und was macht man da am besten? Ganz genau, ein Besuch im Heimatmuseum in Lutter am Barrenberge! Na gut, ganz so spontan ist mein Ausflug eigentlich nicht, denn den Termin zur Besichtigung habe ich schon ein paar Tage im Voraus gemacht. Aber das schlechte Wetter kam mir eigentlich gelegen. Ich bin ehrlich: viel erwartet habe ich nicht von dem gefühlten 100sten Heimatmuseum hier in der Region. Aber ich bin ja immer offen für Neues (oder halt auch altbekanntes) und lasse mich überraschen. Das wurde ich dann allerdings auch! Aber dazu gleich mehr.

Also zieh ich mit dem Auto los aus Wolfenbüttel in Richtung Lutter am Barrenberge. Obwohl das Wetter nicht besonders gut ist (es regnet zwar nicht, aber es ist bewölkt und kalt) bin ich auf Anhieb begeistert von der tollen Strecke oder besser gesagt die wunderbare Landschaft die man zu Gesicht bekommt, das war wirklich schon die erste Überraschung. Überall Hügel, Felder, Wald und Serpentinen ähnliche Straßenverläufe (bei besseren Wetter leg ich diese Strecke jedem Motorradfahrer ans Herz!!).
Vor dem Museum empfängt mich freundlich Horst Züchner und wir gehen direkt ins Museum. Der erste Raum in dem wir landen hat sich die Ortsgeschichte von Lutter am Barrenberge zum Thema gemacht. Was soll da schon Aufregendes kommen? Überraschender Weise mehr als ich dachte!
Zum einen befinden sich die ältesten oder zweitältesten (man streitet immer noch darum welche jetzt die älteren sind) Kirchenglocken Deutschlands in Lutter und zum anderen und das fand ich viel interessanter, gab es in Ostlutter früher einen Sandsteinbruch (den man übrigens auch besichtigen kann!). In dem Steinbruch haben 400 Steinmetze gearbeitet, also wesentlich mehr als ich gedacht hätte. Der Sandstein aus Lutter war wohl sogar richtig bekannt. Er hat es sogar bis ins Olympiastadion nach Berlin geschafft.
Weiter oben im Raum stand noch ein riesiger, alter Webstuhl. Der hat mich direkt an mein Webbrett aus den Kindertagen erinnert. Okay, ich weiß dass mein altes Webbrett jetzt kein wirklicher Vergleich zu dem riesigen Webstuhl ist, aber im Grunde ist es ja das gleiche Prinzip.

An dieser Stelle muss ich aber kurz eine witzige Anekdote zum Webstuhl erzählen: Ein Mitglied des Vereins, welche zum Heimatmusen gehört, war vor ein paar Jahren auf einer Schwedenreise. Auf der Reise hat sie dann, aus Zufall diesen Webstuhl gefunden. Der Webstuhl stammt nämlich ursprünglich tatsächlich aus Lutter am Barrenberge! Da sieht man mal, wie klein die Welt doch ist…

Für mich war eigentlich die größte Überraschung, dass ich den nächsten Raum mit Abstand am interessantesten fand! Das Thema hier: Die Schlacht des 30-jährigen Krieges die bei Lutter stattfand. Also Geschichte pur! Herr Züchner hat mir, anhand eines Modells was den Schlachtplatz abbildet, erklärt, wie es die Katholiken unter der Führerschaft von Kaiser Tilly, dank General Fuchs, es schafften, die Protestanten, die unter König Christian IV von Dänemark und Norwegens herschafft standen, zu besiegen. Dazu kann ich nur sagen ganz schön ausgefuchst!
Auch die alten Kriegsmaschinen wurden mit erklärt und dass diese nicht nur schwer und unhandlich waren, sondern obendrein bei Regen nicht mal funktionierten. Und bedenkt das man sie von Hand, ohne Straßen und richtige befestigte Wege, durchs ganze Land ziehen musste. Genauso wie die Munition. Die bestand übrigens teilweise einfach aus Armen, Beinen oder anderen Körperteilen toter Soldaten. Man beschoss die Gegner damit, in der Hoffnung, sie infizieren sich mit einer tödlichen Krankheit.  Als ich dann hörte das sich die Leute damals im Krieg nicht mal richtig erkannten, weil sie im Grunde alle die gleichen Kleider, in der gleichen Farbe trugen , musste ich dann wirklich in mich gehen. Das Bild was ich in meinem Kopf hatte sah in etwa so aus: Das Schlachtfeld mit einem Haufen Menschen drauf, die nicht wussten wer denn nun Freund und wer Feind war. Dann diese riesigen Maschinen die, falls es jetzt regnete (was es in meiner Vorstellung tat) nicht mal funktionierten und durch ihr Gewicht schon halb im Schlamm versanken.

Im oberen Stockwerk des Museums gab es eine original eingerichtete Schuhmacherstube, einaltes Klassenzimmer und ein Handarbeitszimmer. Wenn ich die ergonomisch geformten Kinderstühle in den Grundschulen von heute, mit den Holzbänken von früher so vergleiche, bekomme ich richtig Mitleid mit den Kindern von damals. Drei Kinder zusammengepfercht auf einer zwei Meter langen Holzbank ohne Polster. Da Viel einem das Aufpassen im Unterricht wahrscheinlich noch schwerer als heute! Und ich hätte als Kind auf jeden Fall regelmäßig Rückenschmerzen gehabt…
Nebenan ging’s weiter mit unzähligen alten Spielsachen. Von Kaufmannsläden überPuppenwagen bis hin zu „Kinder-Rikschas“. Ich hab das Gefühl, dass, die Kinder damals sehr viel mehr Fantasie brauchten, zumindest wenn es ums Spielen ging. Auch die Materialien der Spielsachen waren ganz andere im Vergleich zu denen in der heutigen Zeit. Vieles wurde aus Blech, Holz oder sogar Pappe gefertigt. Wenn ich da so ein mein Polly-Pocket-Traumschloss aus Plastik denke muss ich schon wieder schmunzeln. Als ich das gesehen habe musste ich zugeben, auch wenn es mir irgendwie nicht gefällt (Wahrscheinlich weil ich selber dazu zähle) dass die Kinder von heute ganz schön verwöhnt werden im Gegensatz zu früher…
Aber zurück zum Heimatmuseum und das heißt in diesem Fall „Back to the 50’s“! Das war nämlich das Motto im Nebenzimmer. Dort gab es ein Wohnzimmer im Stil der 50er eingerichtet, natürlich original mit Nierentischen Tulpenstehlampen. Was natürlich auch auf gar keinen Fall fehlen durfte waren bunte Cocktailsessel. Kaum zu glauben das sich damals jeder um so einen Sessel gerissen hat! Wobei ich persönlich finde die Dinger eigentlich ganz cool!

Nächster Halt war Omas Stübchen, ein Wohnzimmer im Jugendstil nachgebildet. Die Tapete für diesen Raum, sagte Herr Züchner, hat das Heimatmuseum extra in England anfertigen lassen, um alles so originalgetreu wie möglich aussehen zu lassen. Und ein besonderes Schmankerl hat Omas Stübchen auch noch: man kann dort standesamtlich heiraten was eine, finde ich zumindest, ziemlich schöne Idee ist!
Wir gingen in den letzten Ausstellungsraum und schon wieder wurde ich überrascht, denn plötzlich stand ich in Omas alter Küche und konnte quasi schon den leckeren Kuchen aus dem Ofen riechen, der noch traditionell mit Holz geheizt wurde. Antikes Kaffeegeschirr, alte Holzschalen und Krüge standen in einem hübschen Küchenbuffet direkt neben dem originalen Butterstampfer. Wenn ich das alles so sehe bin ich froh, dass wir es da, dank Supermarkt und Co., zum Glück um einiges leichter haben als die Menschen damals. Obwohl ich mir sicher bin das die selbstgemachte Butter aus dem Stampfer 1000mal besser schmeckt als unsere Supermarktbutter…

Mein Fazit zum Heimatmuseum Lutter am Barrenberge: Auf jeden Fall einen Besuch wert! Obwohl ich dachte „ach das kennst du doch eh schon!“ wurde ich zum Glück eines besseren belehrt und hab viele interessante und überraschende Aspekte von damals aus dem Museum mitnehmen können. Man sollte sich nicht die ganze Zeit denken „Ohhh es ist ein Museum und Museum = langweilig“ Nein! einfach mal offenen sein führ all die Sachen und Geschichten. Ich wurde überrascht, welche interessanten Dinge man im Heimatmuseum entdecken kann und man über seine Heimat lernt man dabei auch noch etwas. Mit Sicherheit lohnt es sich auch zu eine der monatlichen Veranstaltungen, wie z. B. Puppentheater, Konzerte oder Vorlesungen zu besuchen.

Hier im Link kommt man zum Heimatmuseum Lutter am Barenberge

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