Ein Bayer im Nördlichen Harzvorland – Servus!

Jetzt bin ich schon eine ganze Weile hier im Nördlichen Harzvorland und wurde von vielen gefragt, wie es mir gefällt. Aus der Mitte Bayerns bis nach Niedersachsen. Kann das gut gehen ohne einen Kulturschock zu erleiden? Ein paar kurze Infos über mich findet ihr schon auf der Autorenliste dieses Blogs. Nun möchte ich meine Eindrücke aus den ersten Wochen und Monaten jenseits des Weißwurstäquators mit euch teilen! Persönlich, subjektiv und ungefiltert. Wie ist es mir bisher ergangen? Worüber musste ich schmunzeln? Was ist mir besonders aufgefallen?

Auf Erkundungstour in der Elm-Asse Region

Inzwischen habe ich doch schon ein paar Touren (z.B. die GenussmanufakTour durch die Lessingstadt Wolfenbüttel) und Dienstreisen gemacht (den einen oder anderen Artikel von mir habt ihr vielleicht schon gelesen). Ich möchte die Region kennen lernen und mit Land und Leuten in Kontakt kommen. Den Anfang habe ich im September 2017 in der Gegend um Schöppenstedt gemacht.

Welche Details gibt es, die das Leben in Niedersachsen so anders machen als in Bayern? Wie sind die Menschen im Nördlichen Harzvorland? Gibt es überhaupt noch Unterschiede in einer globalisierten, „facebook-isierten“ Welt? Es gibt sie, man muss nur ein wenig genauer hinsehen. Einen Blick für die kleinen Dinge entwickeln. Oft sind es ganz alltägliche Gewohnheiten und Routinen, die einem Einheimischen gar nicht auffallen. Gerade als Fremder und Gast bemerkt man jedoch ein paar Sachen recht schnell…

Landschaft, Natur und Landwirtschaft

Ich bin ein Dorfkind und im ländlichen Raum aufgewachsen. Meine Heimat, die Lech-Donau-Region in der Mitte Bayerns ist absolut flach, während das Nördliche Harzvorland eine hügelige Landschaft ist… Elm, Asse, Oderwald, Harly, Salzgitter-Höhenzug, die Ausläufer des Mittelgebirges sorgen für ein abwechslungsreiches Landschaftsbild. Übrigens bietet sich bei schönem Wetter ein herrlicher Blick auf den Brocken… Gerade in den Sommermonaten war das mein majestätischer Ausblick für mich!

Wissen die Harzvorländer eigentlich wie schön sie es hier haben?

Landwirtschaft

Wie sieht es mit der Landwirtschaft im Nördlichen Harzvorland aus? Die Nutzung ist tatsächlich sehr ähnlich wie in meiner Heimat: Getreide, Mais und Zuckerrüben werden hier angebaut. Allerdings: das Zuckerwerk in Schladen gehört zu Nordzucker, während in meiner Heimat im bayerischen Rain am Lech das Südzucker-Werk steht. Ein weiterer Unterschied: Wir bauen zu Hause Kartoffeln an. Ja, ihr habt richtig gelesen: Ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen und helfe wenn ich zu Hause bin immer noch gerne mit auf Feld und Hof. Traktor fahren, Kartoffeln liefern, Kartoffeln ernten, Beregnen – damit bin ich groß geworden. Hier ein paar Eindrücke von unserem Nebenerwerbs-Betrieb:

 

Bei meinem Ausflug nach Hedeper habe ich mich gleich in ein Maislabyrinth gestürzt und die Traktoren der Nachbarn bewundert. In einem Hof sah ich einen alten Hanomag stehen und musste mir den Oldtimer natürlich gleich genauer anschauen.

Zwei Herren älteren Semesters saßen dort im Schatten und erzählten von den guten alten Zeiten, als die Bauern noch ihre Pferde einspannten. Bei einem leckeren selbstgebrannten Quittenschnäpschen mit den Opas durfte ich mir noch ein paar Geschichten aus der Nachkriegszeit anhören, die auch mein Großvater so ähnlich erzählen könnte. Das ist echte Gastfreundschaft!

Im Großen und Ganzen erinnert mich Vieles an meine Heimat, den „Rainer Winkel“ (so wird die Kleinregion um Rain am Lech im Volksmund genannt). Eines fällt mir jedoch sofort auf: die einzelnen Felder hier sind viel größer -meine Standard-Joggingstrecke einmal um die angrenzenden Felder ist auf einmal riesig 😉

LOST I’m #Maislabyrinth #meinniedersachsen #meinnhavo @noerdlichesharzvorland in #hedeper

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Trinkkultur, Gastfreundschaft und Kulinarik

Wenn ich Fußball spiele und bei meinem Heimatverein FC Staudheim in Bayern das typische Sonntagsspiel absolviert habe, dann wird geduscht, sich umgezogen und es gibt erstmal eine Flasche Spezi 0,5l und eine Wurstsemmel. Das ist Ritual. Auch als Zuschauer. Wie läuft das bei meinem Zweitverein, den Sportfreunden aus Ahlum ab? Wurstsemmeln? Fehlanzeige! Auch die Frage nach „Sandwich“ oder dem „belegten Brötchen“ hilft da nicht weiter. Auf den Fußballplätzen der Region gibt es die typische Bratwurst vom Grill, ein wirklich leckerer Ersatz! Auch interessant: der Pappteller ist klein und hat ein abreißbares Stück. Offenbar verwendet der norddeutsche Fußballfan das abgetrennte Fitzelchen Pappe, um damit die heiße Bratwurst zu greifen… sehr pfiffig! Oder wie mein Opa sagen würde: „Blöd darf man sein, aber man muss sich zu helfen wissen!“ 🙂

Das Getränkeangebot ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Nicht wegen des Geschmacks, sondern aufgrund der Ausschankmenge: es scheint hier verbreitet zu sein, seine Getränke nur in winzigen Mengen zu konsumieren… 😉

Als Fußballzuschauer in der Nordharzliga ist es das höchste der Gefühle, mir ein Bier und eine Bratwurst am Verkaufsstand zu holen und mich an der Seitenlinie zu tummeln. Leider ist das frisch gezapfte Pilschen immer schon leer, wenn ich an der Seitenlinie eintreffe. Mein Tipp: die klassische Halbe Bier 0,5l könnten Abhilfe schaffen…

Und: es scheint kein Helles Bier zu geben… wie gut, dass ich mich auch mit der Pils-Trinkerei anfreunden kann. Ebenfalls weit verbreitet und allgegenwärtig beim Catering und in jedem guten norddeutschen Schnellimbiss: das Mettbrötchen! Praktisch, deftig, lecker. Eine kulinarische Eigenheit, die ich hier im Nördlichen Harzvorland schnell kennen und lieben gelernt habe…

Leben und Sprache

Was für mich sehr befremdlich wirkt hier in Norddeutschland, ist das stimmhafte „S“. Ein Satz wie „Haste sowas schon gesehen?“ -ausgesprochen von einem Norddeutschen- bringt mich immer wieder zum Schmunzeln… anders herum kann man mich mit meinem süddeutschen Einschlag an jeder Wursttheke sofort erkennen: „Sie sind aber nicht von hier…?!“ -Dann hat mich mein Dialekt mal wieder verraten.

Eine echt ungewohnte Situation ist die Aldi Nord vs Aldi Süd Aufteilung… jawoll, in Norddeutschland ist der Aldi blau – ich bin nachhaltig verwirrt!

 

Was ist euerer Meinung nach typisch für die Gegend hier? Wie ticken die Leute in der Region „zwischen Harz und Heide“? Gibt es hier das typische Weißwurstfrühstück wie ich es aus Bayern kenne? Freitag Vormittag in jedem guten Betrieb…? Wenn der KfZ-Meister seinen Lehrling und die Bankerin ihre Azubine zum Metzger schickt, um Weißwürste zu holen… Macht man das in Norddeutschland ähnlich? …vielleicht mit Mettbrötchen?

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