Mit dem Fahrrad durch Lutter am Barenberge

Kirschblüten-Traum bei Lutter am Barenberge / Beate Ziehres

Schönstes Frühlingswetter, kein Wölkchen am Himmel und angenehme 25 Grad. Und das Beste an diesem Tag: Nicht etwa Schreibtischtätigkeiten sind vorgesehen, sondern eine Exkursion nach Lutter am Barenberge. Ich bin gespannt! Mein letzter Besuch in Lutter ist ewig her. Und ehrlich gesagt war es damals auch kein Ausflug, sondern eher ein nächtlicher Zufall.

Die Erinnerung kommt schlagartig zurück, als sich im Innerstetal wie aus dem Nichts eine Haarnadelkurve vor der Kühlerhaube auftut. Genau! Überraschend kurvig ist es hier. Schnell stehe ich auf dem Marktplatz Lutters und sauge die ersten Eindrücke auf.

 

 

Nach einem kurzen Besuch im Heimatmuseum packe ich das Fahrrad aus dem Auto. Schließlich will ich die Umgebung Lutters erleben und auf dem Fahrrad ist man der Landschaft am nächsten. Am Heimatmuseum vorbei geht es bergauf in Richtung Neuwallmoden. Ab dem Ortsausgang radele ich entspannt durch eine liebliche Landschaft. Zu meiner Linken liegen Fischteiche. Auch ein paar Angler sind hier und genießen die Sonne.

Erstes Etappenziel: Alt Wallmoden

In Alt Wallmoden herrscht beschauliche Ruhe. Auf dem Gutshof werden landwirtschaftliche Geräte geputzt. Unter den hohen Bäumen an der Kapelle des Gutshofes steige ich ab, um die Umgebung ein bisschen zu erkunden und Bilder zu machen. In der Mauer des Gutshofes entdecke ich den blumengeschmückten Eingang zu einem Atelier. Hier lebt und arbeitet die Bildhauerin Marianna Zumstein. Durch eine Öffnung in der hohen Mauer kann ich vorbei an einer Skulptur in das pittoreske Gärtchen schauen.

Am Teich neben dem Gutshof haben Angler ihre Köder ausgelegt. Im glasklaren, flachen Wasser lässt sich allerdings kein Fisch blicken. Nur grüne Wasserpflanzen bewegen sich in der Strömung.

 

 

Mein nächstes Ziel ist Bodenstein. Ich radele zurück nach Neuwallmoden und biege rechts ab. In Bodenstein wollte ich eigentlich das Abenteuer suchen. Tief im Wald, aber bei Kletterfans bestens bekannt, liegen hier die Bodensteiner Sandsteinklippen. Schmale Pfade verbinden Bodenstein mit der Geroldsklippe und dem absoluten Highlight: der Sofaklippe. Die bizarre, zerklüftete Sandsteinformation mit den turm- und kegelförmigen Steingebilden ist ein Paradies zum Wandern, Bouldern und für Mountainbiker.

Leider hat der Herbststurm Friedericke hier ganze Arbeit geleistet. In Lutter habe ich erfahren, dass immer noch Bäume die Pfade versperren. Da habe ich doch schon ein Ziel für den nächsten Ausflug nach Lutter.

Geschichtsträchtiger Boden: Bodenstein

So fahre ich direkt durch bis zur Ortsmitte, die geprägt wird vom Klostergut Bodenstein. Bei ihrer Gründung im 12. Jahrhundert war die staatliche Domänenanlage tatsächlich ein Kloster. Nach der Reformation wandelte man das Kloster in ein adliges Damenstift um. Erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es zum Klostergut. Jetzt macht am Tor des Klosterguts ein kleines Schild darauf aufmerksam, dass auf diesem Hof Pferde gezüchtet werden. Hier ist die Deckstation des Landesgestüts Celle für die Warmblutzucht im nördlichen Vorharzland untergebracht. Überhaupt spielen Pferde eine wichtige Rolle in Lutter am Barenberge. Es gibt weitere bedeutende Pferdezuchtbetriebe und viele Reiterhöfe.

In Bodenstein entdecke ich mit der kleinen St.-Antonius-Kirche direkt neben dem Klostergut ein weiteres schönes Fotomotiv. Ich genieße das Idyll, das sich mir hier bietet und halte die Eindrücke fest.

 

 

Nun will ich weiter nach Nauen. Auf dem Weg dorthin muss ich wieder Serpentinen erklimmen. Zum Glück führt die Straße durch den Wald und die Abfahrt ist herrlich. In der letzten Kurve nehme ich den Abzweig nach Nauen. Immer wieder muss ich anhalten, um die Landschaft zu genießen: wunderschöne schmale Alleen, Kirsch- und Apfelblüten, die ersten blühenden Rapsfelder. Ich kann mich nicht sattsehen an diesen Bildern!

 

 

Am Originalschauplatz der Schlacht bei Lutter

Ich fahre durch Nauen und verlasse das Dorf auf der Mühlenstraße. An der Landstraße biege ich rechts Richtung Jerze ab. Jetzt geht es wieder steil bergauf. Robert Willers, der mich durch das Heimatmuseum geführt hat, hat mich auf den Parkplatz am oberen Ende der Serpentinen aufmerksam gemacht.

Von hier aus überblickt man den Schauplatz der legendären Schlacht bei Lutter. Die Sümpfe, Wälder und Weiden von einst sind inzwischen Feldern gewichen. Doch Robert Willers hat mir anhand eines Modells anschaulich erklärt, was am 27.8.1626 geschehen ist und wie es überhaupt zum Dreißigjährigen Krieg gekommen ist. Und er hat mir vorgeführt, wie mühsam das Schießen damals war – immerhin, man hatte bereits Schusswaffen. Wusste ich bisher nicht. Trotzdem war die Schlacht nach einem Tag geschlagen und die Armee des Dänenkönigs Christian vernichtet.

Zurück zum Ausgangsort – dem Flecken Lutter

Nun geht es für mich zurück nach Lutter. Die Abfahrt vom mühsam erklommenen Hügel ist rasant! Als ich mich Lutter nähere, fallen mir zwei Türme auf, die den Ort überragen. Schon im Museum hatte ich vom dicken und vom dünnen Amtmann gehört. Nun will ich die Türme auch aus der Nähe sehen.

Zuerst mache ich mich auf die Suche nach dem dicken Amtmann. Gar kein leichtes Unterfangen. Es ist der Bergfried der Burg Lutter, die im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt wurde. Er ist in einem mystisch anmutenden Zauberwald versteckt. Durch das frische Grün fällt Sonne auf bemooste Steine und Efeu und die Vögel geben ein bemerkenswertes Konzert.

Dichte Dornenhecken umschließen die einst prächtige Burg, die den Dänen im Dreißigjährigen Krieg als Verteidigungsanlage diente. Die Natur hat das Gelände der im Jahr 1964 aufgegebenen Staatsdomäne zurückerobert. Ich fühle mich an Dornröschen erinnert, als ich das Areal umrunde und einen Blick über das verschlossene Tor in den verwilderten Garten werfe.

 

 

Der dünne Amtmann – der Turm der St. Georgs-Kirche – ist leichter zu finden. Das Gotteshaus liegt gleich neben dem Zauberwald. Und auch hier wird mit Geschichte nicht gegeizt. Auf dem Turm verrichtet eines der ältesten Geläute Deutschlands den Dienst. Die kleine Ribernusglocke stammt aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, die beiden großen Läuteglocken wurden Mitte des 13. Jahrhunderts gegossen.

Die Kirche selbst ist bei weitem nicht so alt ist wie ihre Glocken. Der heutige Bau stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein Blick ins Innere des Gotteshauses soll sich übrigens auch lohnen: So wurde vor mehr als 20 Jahren die ursprüngliche, farbenfrohe Decken- und Wandmalerei wiederhergestellt.

 

 

Jetzt geht es nur noch bergab bis zum Ausgangspunkt meiner Tour durch Lutter am Barenberge – dem Marktplatz. Ein wunderschöner Tag mit vielen neuen Eindrücken neigt sich dem Ende zu. Und auf meiner Nase zeigt sich ein leichter Sonnenbrand …

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