Wandern mit dem ILE-Freizeitspempel-Pass – durch die Asse zur Asseburg

Ruine der mittelalterlichen Asseburg / Beate Ziehres

Es ist ein herrlich goldener Oktobertag, als ich mich auf den Weg in die Asse mache. Zum Wandern. Vom Parkplatz am Fuße des Festberges will ich zuerst diesen Berg erklimmen und dann weiter zum Bismarckturm und zur Asseburg laufen. Zwei Stempelstationen möchte ich meinem ILE-Freizeitspempelpass hinzufügen.

Schon vor der Ankunft auf dem Parkplatz mache ich mich unbeliebt, als ich zwischen Mönchevahlberg und Groß Denkte unvermittelt den Blinker setze und links in die Einfahrt abbiege. Gehupe von hinten! Dann stelle ich fest, dass ich mein Stempelheft zuhause vergessen habe. Ohne das Stempelheft suche ich auch ein Weilchen nach dem Pfad, der hoch zum Freizeit- und Bildungszentrum „Freundschaft“ führt.

Erster Stopp in der Asse: der Festberg

Auf der Kuppe südlich des Freizeit- und Bildungszentrums entdecke ich drei Bänke in der Sonne. Hier vermutete ich auch die Stempelstation. Doch ich finde sie nicht. Bin ich vorbeigelaufen? Egal. Ich genieße die herrliche Aussicht über das Nördliche Harzvorland. Sogar die Hochhäuser Salzgitters sind von hier aus zu sehen.

  

Nun geht es Richtung Osten auf dem markierten Rundweg Nummer 3. Mir fällt auf, dass der dichte Laubwald frisch grün leuchtet wie im Frühling. Nur vereinzelt werden die Blätter bunt und fallen auf den Boden.

Nach einer ganzen Weile komme ich an eine große Wegegabelung mit markanten Riesen-Thuja, Informationstafeln und vielen Wegweisern. Auf einer Tafel ist erklärt, wie die Riesen-Lebensbäume in den Laubwald kommen. Es handelt sich um ein Experiment, das Forstleute vor mehr als 100 Jahren starteten: Sie haben die aus Nordamerika stammende Art testweise in der Asse gepflanzt.

Eine Tafel direkt unter der Thuja-Pflanzung macht den Wanderer darauf aufmerksam, dass die Route an dieser Stelle den Eulenspiegel-Radweg kreuzt. Auf dieser Informationstafel finde ich quasi im Kleingedruckten einen Hinweis, der mir bei der Navigation weiterhilft: „Hier führt ein Fußweg zur Ruine der Asseburg, einer der größten mittelalterlichen Burganlagen Norddeutschlands“, lese ich darauf. Aha!

Meine Spannung steigt und nehme den Waldweg, der hier Richtung Süden abzweigt. Er führt leicht bergauf weiter durch grünen Laubwald. Es ist übrigens egal, ob ihr an der Gabelung, die ihr nach ein paar Metern erreicht, rechts oder links geht. Beide Wege führen zur Bismarcksäule, dem nächsten Ziel.

Entdeckung am Rand der Asse: die Liebesallee

Ich habe mich für den linken Weg entschieden und so durch Zufall die Liebesallee entdeckt. Sie führt vom „Waldhaus zur Asse“ über den Ahrenskopf hierher zum Bismarckturm. Alte, knorrige Hainbuchen begleiten den Weg und schaffen ein Blätterdach für die Wanderer – zumindest im Sommer. Wer Hunger, Durst und Lust auf einen schönen Abstecher hat, kann über die Liebesallee nach Wittmar laufen und einkehren. Doch dazu später.

Die Liebesallee / Beate Ziehres
Die Liebesallee / Beate Ziehres

Ich reiße meinen Blick los von dieser wirklich romantischen Allee und schaue über die große Wiese in Richtung Westen. Auf dem Hügel erhebt sich das 23 Meter hohe Denkmal, das an den ersten Reichskanzler Otto Fürst von Bismarck erinnert. Doch die Bezeichnung „Säule“ oder „Denkmal“ ist irrführend, denn vor mir steht ein ausgewachsener Turm.

Wandern mit Aussicht von der Asse: Bismarckturm

Von Mai bis September kann das Bauwerk, das im Oktober des Jahres 1901 eingeweiht wurde, bestiegen werden. Dafür bin ich leider zu spät dran, doch ich kann mir vorstellen, dass die Aussicht von dort oben überwältigend ist.

Auf der Infotafel zum Turm gibt es auch ein Schild, das mir eindeutig den Weg zum eigentlichen Höhepunkt der Wanderung weist. Also auf zur Asseburg!

Auf dem kurzen Weg werde ich übrigens mehr als entschädigt dafür, dass der Turm schon geschlossen hatte. Die Aussicht auf Wittmar und das Nördliche Vorharzland ist traumhaft. Hier laden ebenfalls Bänke zum Verweilen ein. Wittmar ist so nah, dass ich von unten die typischen Geräusche eines geschäftigen Herbsttages auf dem Land höre: Ein Trecker fährt auf der Straße entlang, Holz wird kleingeschnitten und Hunde bellen.

Aussicht auf Wittmar / Beate Ziehres
Aussicht auf Wittmar / Beate Ziehres

Stundenlang könnte ich hier in der warmen Oktobersonne verweilen und die friedlichen Eindrücke aufsaugen. Doch ich wollte ja zur Asseburg. Nach einem kurzen Marsch sehe ich schon erste Mauerreste und einen noch erhaltenen Rundbogendurchgang.

Höhepunkt beim Wandern: die Asseburg

Wie ein wachgeküsstes Dornröschen fühle ich mich, als ich durch die Öffnung ins Grüne linse. Die Vögel zwitschern und ab und zu weht ein warmer Windstoß einen goldenen Blätterregen über die märchenhafte Szenerie.

Da entdecke ich eine Art leuchtendrotes Vogelhäuschen ganz in der Nähe der verwunschen wirkenden Mauern: die Stempelstation! Da mein Stempelheft ja zuhause liegt, kann ich den Stempel nicht ausprobieren, sondern muss mich mit Fotografieren begnügen.

Stempelstation an der Asseburg / Beate Ziehres
Stempelstation an der Asseburg / Beate Ziehres

Dem Lageplan neben der Stempelstation entnehme ich, dass die Mauern wohl nur das äußerste Tor markieren. Die eigentliche Burg kommt noch. Und mir erschließen sich die gewaltigen Ausmaße des Komplexes, den Günzelin von Wolfenbüttel gemeinsam mit anderen Adeligen Anfang des 13. Jahrhunderts erbaute. Insgesamt waren auf dem südlichen Kamm der Asse 7.200 Quadratmeter Fläche umbaut.

Die strategisch wichtige Burg, die der Sicherung der Heer- und Handelsstraße zwischen Braunschweig und Leipzig diente, wurde nie eingenommen. Ende des 15. Jahrhunderts setzten die Braunschweiger als damalige Burgherren die Asseburg selbst in Brand und zerstörten sie so.

Noch heute ist die Größe der Burg, die nie wieder aufgebaut wurde, deutlich zu erkennen. Ich klettere hoch auf die Ruine und entdecke auch gleich die Treppenstufen, auf denen ich als Prinzessin stehen würde, wenn mein Prinz sich niederkniete, um mir einen Antrag zu machen.

Schluss mit Träumen! Ich habe noch einen langen Rückweg vor mir. Im dichten grünen Wald am Nordhang des Bergkammes, auf dem die Asseburg steht, gruselt mir tatsächlich ein bisschen. Immer wieder rascheln Tiere in den trockenen Blättern und im Dickicht. Ich höre sie nur und sehe nichts. Hätte ich doch nur meinen Prinzen mitgenommen zum Wandern!

Am Sportplatz von Groß Denkte lasse ich den Wald hinter mir. Ich genieße die Sonne, während ich am Rand der Asse zurücklaufe – vorbei am Freibad und am Freizeitzentrum. Über den steilen Pfad geht es schließlich durch den Wald zurück zum Parkplatz.

Einkehren an der Asse: die Zuckerstube

Hier kommt noch, wie oben versprochen, unser Einkehr-Tipp: In der Kastanienallee in Wittmar, zu Fuße des Bismarckturmes gewissermaßen, betreibt Andrea Kretzschmar-Haese das Café Zuckerstube. Die Zuckerstube ist bekannt für selbstgemachte Kuchen und Torten, und ich muss sagen: Die Leute wissen, wo es gut schmeckt!

Ich habe dem im Garten einer Villa versteckten Café einen Besuch abgestattet und die Kirsch-Joghurt-Torte probiert – köstlich fruchtig und leicht! Eine Erläuterung zum Foto: Ich sagte „probiert“, weshalb auf meinem Teller nur ein halbes Stück Torte liegt. Das Café Zuckerstube ist auch berühmt für große Torten- und Kuchenstücke!

Kirsch-Joghurt-Torte / Beate Ziehres
Köstlich: die Kirsch-Joghurt-Torte / Beate Ziehres

Gut gekühlt hält Andrea Kretzschmar-Haese an jenem Mittwoch außerdem Zitronentorte, Walnuss-Karamell, Mango-Torte, Spanische Vanilletorte und Käsesahne vor! Jeden Vormittag backt sie neue Torten und Kuchen, berichtet sie mir und entschuldigt quasi die „kleine“ Auswahl.

Im großen Cafégarten mit gemütlichen Sitzgelegenheiten – die Strandkörbe befanden sich bei meinem Besuch schon im Winterquartier – genießen Eltern, Reiter und Hundebesitzer ihren Kaffee. Für die Kinder gibt es einen Spielplatz und für die Pferde ist ebenfalls Platz vorhanden.

Weitere Informationen und Öffnungszeiten: Webseite des Café Zuckerstube

ILE-Freizeitstempelpass nicht vergessen!

Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn ihr in die Asse geht zum Wandern, nehmt euren Stempelpass mit! Er dient nämlich nicht nur der Dokumentation, dass ihr die schönsten Orte des Nördlichen Harzvorlandes gesehen habt. Im Heft finden sich auch detaillierte Beschreibungen aller Touren und der Standorte der Stempelstationen. So erspart es euch das Orakeln und aufwändige Navigationsarbeit. Aber ein Gutes hatte es doch, dass ich ausgerüstet wie ein Schneider losgelaufen bin: Ich bin mit vielen netten Menschen ins Gespräch gekommen …